Kurzgeschichten

Kurzgeschichten sind für mich eine gute Möglichkeit, Träume zu beschreiben und größere Momentaufnahmen zu erstellen.
Ich erschaffe für mich dadurch eine Art der Meditation. In regelmäßigen Abständen möchte ich hier wechselnde Kurzgeschichten und Meditationen vorstellen.
Viel Freude und Ruhe beim Lesen der ersten Geschichte!
Das Meer
...Als ich meine Augen schließe, höre ich das leise Rauschen des Meeres und beschließe, sofort dorthin zu gehen. Vor lauter Vorfreude beginne ich zu rennen, der Wind streift mich dabei, sodass das Rauschen des Meeres noch leiser erscheint. Dann laufe ich über die Dünen und kann endlich das strahlende und glitzernde Meer erblicken. Sofort geht mir das Herz auf und fängt an, wie wild zu schlagen. Ein Seufzer entfährt mir und ich laufe mit ausgebreiteten Armen auf das Meer zu. Es kommt immer näher und näher.
Schließlich berühren meine nackten Füße das warme Salzwasser. Ich atme die klare und nach Salz riechende Luft tief in meine Lungen ein und tanke Kraft. Dabei lassen mich alle Sorgen los und ich habe einen klaren Kopf – keine belastenden Gedanken mehr, die mich behindern und mir Kopfschmerzen bereiten, keine pochenden Schläfen mehr, nur noch Ruhe. Das gleichmäßige Rauschen des Meeres lässt mich in einen tranceartigen Zustand fallen und ich schließe meine Augen. Mir geht durch den Kopf, was ich in den letzten Tagen gemacht habe und plötzlich fühle ich mich frei und unbelastet. Mit immer noch geschlossenen Augen schreite ich tiefer ins Meer hinein und merke nach einiger Zeit, wie mir das Wasser bis zu den Hüften reicht. Es ist nicht kalt, doch trotzdem erscheint eine Gänsehaut auf meiner Haut. Das Rauschen des Wassers wird nun etwas leiser und die Wellen umschließen mich sanft. Sie platschen leicht an meinen Bauch und ich muss lächeln. Ich fühle mich wie ein Fels im Meer, an dem das Wasser abprallt und der von den Wellen weich gespült wird. Ich blicke an den Horizont, der unendlich nah und zugleich furchtbar weit weg erscheint. Das Auge weitet sich und sieht vom einen Ende des Horizontes bis an das andere. Ich glaube fast, die Wölbung der Erde wahrzunehmen und fühle mich mehr denn je als ein Teil, der der Erde angehört. Das Wasser nimmt mich immer mehr an und langsam passt sich meine Körpertemperatur der des Wassers an. Ich gehe nun tiefer ins Wasser hinein, bis nur noch meine Schultern und mein Kopf aus den Wellen ragen. Mein Kopf ist warm, von der heißen Sonne angestrahlt, der Rest meines Körpers wird immer noch kühl vom Wasser des Meeres umfangen. Ein ganz leichter Wind streift mir durch das Haar und die Gänsehaut reicht nun bis zu meiner Kopfhaut hinauf. Mit einem tiefen Atemzug tauche ich nun unter die Wasseroberfläche und schließe die Augen.
Erst als ich merke, dass ich unter Wasser weiter atmen kann, öffne ich sie wieder. Mein Atem ist unregelmäßig und schnell. Es dauert einige Minuten, bis ich die Scheu vor dem Wasser verloren habe und mein flacher Atem zur Ruhe kommt und ich meinen ruhigen und regelmäßigen Atem wieder finde. Mir fällt auf, wie die Pflanzen auf dem Grund des Wassers von der Strömung leicht hin und her schwingen und unbewusst schwinge ich mit – ich passe mich den Bewegungen des Meeres an und werde ein Teil von ihm. Dabei treibt mich die Strömung immer weiter auf das Meer hinaus. Ich befinde mich nun etwa drei Meter unter der Wasseroberfläche, doch empfinde keine Furcht. Kleine und größere Fische schwimmen an mir vorbei, einmal berührt mich sogar einer. Es fühlt sich glitschig und weich an und unwillkürlich zucke ich und verscheuche somit den Fisch. Ich beginne ganz ruhig zu werden um die Bewohner des Meeres nicht zu verschrecken und gleite langsam und befreit durch das blaue klare Meerwasser. Meine Haut wird immer weicher und schon bald spüre ich meine Knochen und Muskeln nicht mehr: Völlig unbeschwert und leicht bewege ich mich schon fast wie die Fische. Glücklich und mit einem Gefühl der Freiheit drehe ich mich ein paar Mal um meine eigene Achse und spüre dabei kleine Wasserstrudel, die an meiner Haut entlang gleiten.
Ich beschließe, zurückzukehren. Ich lasse mich an die Oberfläche treiben und schließe meine Augen, um die Bewegungen des Wassers erneut zu spüren.
Nach einer Weile öffne ich meine Augen wieder und bemerke zu meiner Überraschung, dass alle Muskeln völlig gelöst und frei sind und keinerlei Anspannung meinen Körper noch drückt. Außerdem fällt mir auf, dass der Grund des Meeres viel näher ist, als noch vor ein paar Minuten – die Wellen haben mich wieder in die Nähe des Strandes getrieben. Auch höre ich das gleichmäßige Plätschern des Meeres wieder. Langsam erhebe ich mich und stehe schließlich wieder da, wo ich mit meinem Ausflug vor einiger Zeit begonnen habe – bis zu den Hüften im Wasser. Als ich meinen Blick auf den Strand richte, atme ich hörbar aus. Die Palmen sind so wunderschön und kleine Steine liegen verstreut am feinen Strand. Ich gehe langsam aus dem Wasser und lege mich in den warmen Sand. Sofort kleben einige Sandkörner an meinem gesamten Körper und ein Prickeln durchströmt mich. Ich sehe nun nach oben und kann nichts ausmachen, als den strahlend blauen Himmel, der sich wie eine Decke über das Meer legt. Ich fühle mich ganz geborgen inmitten des Sandes und genieße noch einmal die wohlige Wärme. Immer noch hören meine Ohren das sanfte Plätschern der Wellen – es beruhigt mich immer mehr und lässt mich alles vergessen. Ich schließe ein letztes Mal meine Augen und nehme alles in mich auf. Den heißen, körnigen Sand, das Rauschen des Meeres und der Palmen, die warmen Sonnenstrahlen und die Unbeschwertheit. Der Wind bläst alle meine Sorgen weg. Mit einem Ruck stehe ich nun auf und wende dem Meer den Rücken zu. Ich werde traurig...
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