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Tag 3- 5: Ente gut

20.-23. Oktober 2010

Nein, ich habe nicht abgebrochen. Nicht mal ein kleines bisschen. Aber der Verzicht auf das Fernsehen hat dafür gesorgt, dass ich plötzlich eine Menge anderer Dinge tun konnte, länger gearbeitet habe und am Wochenende feststellen durfte: Du hast die fünf Tage geschafft. Man könnte also behaupten, dass mir zwei Tage ohne Fernsehen ausgereicht haben um die Gedanken daran um den größten Teil zu bereinigen. Natürlich lief der Fernseher ab Samstag wieder. Aber nur ein bisschen. Und schön wars!
Wenigstens habe ich mir bewiesen, dass ich fünf Tage lang darauf verzichten kann. Das ist doch auch ein kleiner Sieg.


Die ersten bewegten Bilder stammen von Paul Nipkow, den man praktisch als Erfinder des Fernsehens betrachten kann, wenngleich er seine Idee praktisch nie wirklich ausgelebt hat. 1883 meldete er Patent auf sein „elektrisches Teleskop" an, das aus einer rotierenden Scheibe bestand, die kurz gesagt Bilder in Hell-Dunkel-Signale zerlegte. Auf seiner Erfindung basieren die ersten Fernsehbildübertragungen (Anfang des 20. Jahrhunderts). Die erste Fernsehübertragung in Berlin gab es am 11. Mai 1928. Das muss man sich mal vorstellen. Fernsehen in Berlin wird bald 100 Jahre alt!
Seit 100 Jahren starren wir auf diese eckige Kiste. Gut, selbst noch in den 50ern war das Programm auf zwei Stunden pro Tag begrenzt aber immerhin. Seit den 60ern sind die Bilder farbig. Ich will nicht wissen, wie viele Stunden jeder von uns im Jahr vor dem Fernseher verbringt. Nun gehe ich aber auch nicht so weit zu sagen, dass Fernsehen verdummt oder schlecht ist. Es gibt toll gemachte Sendungen und viele Filme, von denen ich immer behaupte: Das müssen Kinder sehen! Zum Beispiel Pippi Langstrumpf, der Michel, die Sendung mit der Maus, die Welt, Tiersendungen (à la Serobbe, Giraffe & Co) und vieles mehr.

 

Fernsehen ist toll und wichtig. ABER: und das Aber muss natürlich kommen; ich für meinen Geschmack sehe zu viel Mist. Es ist ja völlig subjektiv was in meinen Augen Mist ist - aber ich sehe zu viel davon. Gott sei Dank lese ich auch noch viel, sonst müsste ich auch noch sagen, dass Fernsehen vom Lesen abhält. Trifft vielleicht auf andere zu, auf mich nicht. Bücher sind ein Elixier, eines, das für mich sehr wichtig ist und immer sein wird. Bücher sind Geheimnis und Offenbarung zugleich.
Fünf Tage ohne Fernsehen sind vorbei und geschafft. Es war ja auch nur ein kleiner Test. Aber ein schöner. Und jetzt lese ich mein Buch weiter.


Bis bald.

 

 

 

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Kommentare

  • Mapa(Mittwoch, 27. Oktober 2010 23:59)

    ;-)
    ...muss ich jetzt stolz auf Dich sein;-)
    Hdgdl
    Pa

  • Veit(Samstag, 08. Januar 2011 16:03)

    Sowohl beim Fernsehen als auch beim Lesen ist wichtig, was man sieht bzw. liest. Wenn ich außerdem keine Lust zu irgendetwas habe, gucke ich auch mal Schrott im Fernsehen.

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Tag 2 - Entzugserscheinungen

19. Oktober 2010

Das Wetter spielt nicht mit heute. Und meine Erwartung entspricht nicht der Realität. Ganz und gar nicht. Ich will mich berieseln lassen und fernsehen. Wer hätte das gedacht? Ich denke die ganze Zeit daran, welche Sendungen gerade laufen, weil ich ja den Großteil der Abendsendungen auswendig kenne und somit auch weiß, was ich gerade verpasse. Eigentlich sollte es mir ein gutes Gefühl bereiten, dass ich darauf verzichte.

Ich stelle daher fest: Ja, Fernsehen ruft suchtähnliche Zustände in mir hervor. Ich möchte jetzt mit einer Tasse Cappuccino auf der Couch sitzen, mich in eine Wolldecke kuscheln und mir fremde Welten vorgaukeln lassen. Mir meine Portion Geborgenheit abholen für heute.

Ob das am Wetter liegt? Es regnet, ist grau und trüb. Viele braune Blätter liegen schon auf dem Boden, es ist nass und der Wind fegt durch sämtliche KLamotten. Herbst. Eindeutig.

 

Da hilft normalerweise nur eines - Sport. Aber gerade dazu kann ich mich jetzt so gar nicht aufraffen. Stattdesse träume ich von einer imaginären Lisa, die sich auf leisen Sohlen in Richtung Wohnzimmer schleicht und heimlich auf der Fernbedienung rumdrückt, in der Hoffnung, es merkt keiner. Kann auch keiner merken - ich bin ja allein Zuhaus. Was ich nicht alles verpasse! Ist doch auch unvernünftig, nicht mal die Nachrichten zu sehen. Vielleicht verpasse ich wichtige Information, ja lebenswichtige gar!

 

Blödsinn... sag ich mir dann. Das ist eine ausgewachsene Abhängigkeit zwischen mir und diesem Apparat. Schlimm ist das ja. Das musst du durchbrechen! Da hilft nur eins, denk ich mir und gehe eine Zigarette rauchen.

Haha.

Egal. Da hab ich wenigstens frische Luft auf dem Balkon.

Doppel-Haha.

 

Nun ja, ist ja auch bald schon wieder Schlafenszeit. Mensch, ist das albern.

Da frage ich mich doch glatt: was wäre, wenn ich keinen Fernseher hätte. So wie früher. Dann würde mir dieses Mist-Ding nicht einmal fehlen. Aber es ist da und fehlt mir. Ich stelle fest, dass ich mich freue, dass ich noch meinen Computer habe. Ein bisschen Selbstbetrug liegt hier schon vor. Fernsehverzicht und dafür die doppelte Dosis Computer.

Ob das morgen vorbei ist? Ob ich morgen vielleicht wieder das Wohnzimmer betreten kann, ohne zu fürchten, dass ich mich auf das Sofa werfe und die Fernbedienung inhaliere?

 

Ich werde es bald wissen. Aber jetzt mache ich vorsichtshalber die Wohnzimmertür noch mal zu.

 

Bis morgen.

 

 

 

 

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Kommentare

  • U(Mittwoch, 20. Oktober 2010 09:04)

    Das mit dem Sport war, glaube ich, die beste Idee. Hmmm- oder doch das shoppen...:) ?
    Ich weiß was: Du hast doch so ein angeblich fesselndes tolles Buch von einer Freundin bekommen- LIES DAS DOCH EINFACH !!! Hihihihihi************

  • Ich(Mittwoch, 20. Oktober 2010 09:20)

    Hey U! :-)
    Ja, das stimmt!
    Ich bin auch schon dabei - lesen geht immer! Sag dir Bescheid, wenn ich es zuende gelesen hab! :-P

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Tag 1: Das Experiment - eine Arbeitswoche ohne Fernsehen

18. Oktober 2010

Ich starte heute ein Experiment, das sich einfacher anhört, als es für mich eigentlich ist. Fernsehen. Das ist ein wichtiger Bestandteil meines täglichen Tagesablaufes, nach dem ich tatsächlich andere Aufgaben ausrichte. Ich will von Montag bis Freitag auf das Fernsehen verzichten. Ich weiß nicht, wann ich das letze Mal einen kompletten TAG darauf verzichtet habe. Wer kann sagen, dass er ohne Probleme auf eine Woche Fernsehen verzichten kann? Das wüsste ich gerne. Vielleicht bin ich ja eine der wenigen, die sich so davon beeinflussen lässt.

 

Es ist ein Medium, dass mich nach einem langen Arbeitstag abschalten lässt. So glaube ich zumindest. Kaum Zuhause angekommen, wird dieses verdammte Ding eingeschaltet, leistet mir beim Essen, beim Sport, beim Lernen, beim Lesen, beim Emails lesen und schreiben und beim Entspannen Gesellschaft. Und das jeden Tag. Oft, bis ich ins Bett gehe. Nun ist es nicht so, dass ich nicht auch andere Dinge unternehme, aber unter der Woche gibt es mir Halt und Regelmäßigkeit, unterhält mich und lenkt mich ab.

Der Fernseher lärmt mitten in die Stille hinein und lässt keinen Raum mehr für Ruhe, Besinnlichkeit, ruhige Gedanken und Dinge, die man eben nur schlecht tun kann, wenn eine ganze Familie im Hintergrund streitet, eine Band singt oder ein Pärchen lacht.

Das Programm spielt mir ein Leben vor, welches meist nicht real ist. Zur gleichen Zeit sitze ich davor und schalte mein eigenes Ich, mein Leben, kurzzeitig ab. Es ist ja nicht so, als würde man nicht mehr denken, aber große Quantensprünge werden vor dem Viereck nicht mehr vollzogen.

 

Ich werde jeden Tag manipuliert und bespielt, mit Informationen überschüttet, die nicht relevant sind, um zu sein. Es werden Emotionen geweckt, die Gedanken gelenkt und gefesselt. Aber ich brauche mir keine Gedanken mehr machen, welche Gefühle und Gedanken mir ursprünglich in den Sinn gekommen wären, wenn ich nicht auf der Couch sitzen würde... Ich bin kein Sportmuffel, der Fernseher ist nur eine einfache Alternative des Zeitvertreibs, die mich kaum Energie kostet.

 

Bin ich fernsehsüchtig weil ich jeden Tag einschalte? Kann ich noch ohne? Das finde ich heraus. Heute ist der erste Tag.

Ich habe schon auf der Arbeit darüber nachgedacht, was ich stattdessen mit meiner "gewonnenen" Zeit anfange. Ist es nicht verrückt? Ich lasse den Fernseher aus und gewinne Zeit. So einfach ist das. Es machte sich wirklich und wahrhaftig Aufregung und ein Kribbeln im Bauch bereit, nur weil ich eine Entscheidung getroffen habe, die meinen Tagesablauf durcheinander wirft. Erstaunlicherweise hatte ich es nach Feierabend nicht einmal eilig, nach Hause zu kommen. Im Gegenteil. Gemütlich bin ich in ein Shoppingcenter gelaufen und habe Klamotten anprobiert, bin gemächlich in die Ubahn gestiegen und habe mir daheim angekommen erst einmal einen Feldsalat mit Tomaten und Pinienkernen zubereitet. In aller Ruhe. Unglaublich!

 

Da verzichte ich die ersten Stunden auf das Fernsehen und schon ändern sich meine Essgewohnheiten. Nicht, dass ich in der Woche noch Gewicht verliere, weil ich keine Möglichkeit habe, vor dem Fernseher zu naschen.

Was ist der menschliche Geist doch merkwürdig. Wir brauchen regelmäßige Muster um uns gut zu fühlen und dann brechen wir für kurze Zeit aus ihnen aus um uns nur noch besser zu fühlen!

Wie viel Zeit geht durch das Fernsehen im Leben verloren? Wie viele Sendungen sehe ich mir an, die mich nicht wirklich interessieren? Was ich stattdessen nicht alles tun könnte! Oder auch nicht tun könnte.

Im Moment scheint es mir, als hätte ich tatsächlich Zeit gewonnen. Es fühlt sich gut an.

 

Oder werde ich morgen vielleicht Entzugserscheinungen haben? Wer weiß. Jetzt jedenfalls habe ich Zeit zu schreiben. Ein Buch zu lesen. Zu sein.

 

Bis morgen.

 

 

 

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Kommentare

  • Mapa(Montag, 18. Oktober 2010 20:56)

    Tja Lischen...;-)
    ...dan wünsch ich Dir viel Erfolg dabei...und hoffe du schreibst viel...wil wieder was lesen;-)

  • Mapa(Montag, 18. Oktober 2010 21:52)

    ...da fehlt doch ein "l"
    ...Mist;-)

  • Schwärmer(Montag, 18. Oktober 2010 23:28)

    Spannende und zugleich erschreckende Aktion...

    Dass man einfach das völlig normal gewordene Drücken der Fernbedienung weglässt und sich stattdessen zu kurz kommenden aber nicht weniger erfüllenden Dingen widmet.
    Eigentlich total einfach, weil man diese flimmernde Kiste eh nicht braucht.
    Dennoch eine Herausforderung, weil diese Kiste ja nunmal einfach da ist und weil man ungern auf seine alltäglichen Gewohnheiten verzichtet... irgendwie auch menschlich.

    Bin gespannt wie's läuft.

  • hier(Dienstag, 19. Oktober 2010 16:58)

    denke einen Monat solltest du es schon probieren die erste Woche wird wohl zum entwöhnen druffgehen....

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